merken
Bühne

Liliom


Schauspiel Frankfurt, Frankfurt, So, 06.05., 20 Uhr

Wertung

So war’s

abstimmen

Liliom, Schauspiel Frankfurt vergrößern

Auf der Bühne sitzt eine Band, spielt Jahrmarktmusik und Polka-Blues. Oliver Kraushaar (Foto) tritt als Liliom auf und preist das Angebot seiner Schaubühne. Immer schneller wird sein Monolog, immer wahnsinniger werden die Versprechungen. Der grandiose Auftakt verspricht viel, aber dieser Theaterabend hält es auch ein. Christoph Mehler, dem neuen Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt, ist mit "Liliom" ein Meisterwerk gelungen. Eine mitreißende Geschichte, die uns schwer berührt. Unbedingt angucken!


Christoph Mehler ist der neue Hausregisseur am Frankfurter Schauspiel. Im September feiert sein "Liliom" Premiere. Ein Gespräch über Schauspieler, Geld und Flüsse.

Hand aufs Herz, Herr Mehler: Wie sehr vermissen Sie Berlin?
Für mich ist es wichtig, dass eine Stadt am Wasser liegt. In Berlin hatte ich die Spree, in Frankfurt habe ich den Main. Ich habe lange nach einer Wohnung gesucht und jetzt etwas Schönes in Sachsenhausen gefunden. Wenn ich ins Theater gehe, überquere ich den Fluss. Einmal morgens, einmal abends laufe ich über die Untermainbrücke - das gefällt mir sehr. Und Merals Dönerschiff, das am Sachsenhäuser Ufer ankert. Dort schmeckt es richtig gut. Ich bin gerne hier.

Das heißt: Frankfurt war Liebe auf den ersten Blick?
Genau. Schon bei meiner ersten Begegnung war mir klar, dass Frankfurt eine sehr besondere, sehr eigene Stadt ist. Und Frankfurt ist ehrlich. Dass das Geld die Stadt dominiert, ist nicht zu übersehen. Hier konzentriert sich alles auf engstem Raum. Wenn man vom Bahnhof aus in Richtung Innenstadt läuft, trifft man direkt hintereinander auf absolute Armut und den übermäßigen Reichtum der Goethestraße.

Um erdrückende Armut geht es auch in dem ersten Stück, dass Sie als neuer Hausregisseur am Schauspiel Frankfurt auf die Bühne bringen: "Liliom" von Franz Molnár. Um der Armut zu entkommen, begeht Liliom einen Raubüberfall, der misslingt, und tötet sich daraufhin selbst.
So eine Tat passiert jeden Tag. Man muss nur die Zeitung aufschlagen, die ist randvoll mit Geschichten wie dieser. Das ist nichts, was uns fremd ist. Es geht um Abgründe. Es geht darum, wozu Menschen in ihrer Verzweiflung fähig sind. Trotzdem ist "Liliom" auch eine großartige Fabel, ein Märchen.

Und ein Stück für Schauspielerlegenden: Hans Albers, Harald Juhnke, Paul Hörbiger, Ingrid Bergman und Hanna Schygulla haben in "Liliom" schon für Furore gesorgt. Können Ihre Darsteller da mithalten?
Oliver Kraushaar, der den Liliom spielt, ist ein unglaublich kraftvoller, leidenschaftlicher Darsteller und Mensch. Und Henrike Johanna Jörissen als seine Frau Julie spielt wunderbar leicht und vital. Ich verspreche Ihnen: Wir werden eine ganz eigene Interpretation des Stücks schaffen.

Sie selbst wollten zunächst auch Schauspieler werden. In Berlin haben Sie an einer privaten Schauspielschule studiert.
Ich merkte schnell, dass Regie mich mehr fasziniert. Am Deutschen Theater habe ich dann als Hospitant angefangen. Das war ein ganz klassischer Einstieg: Ich kochte Kaffee und guckte mir an, wie so ein Theater funktioniert. Dabei ist meine Leidenschaft endgültig entflammt. Bei Proben spiele ich gelegentlich aber immer noch einmal eine Szene selbst.

Und nach der Probe?
Dann trifft man mich in der Schauspielkantine (lacht). Ich bin eben durch und durch Theatermensch.

Interview: Alexander Jürgs

schauspielfrankfurt.de

 
Share/Save/Bookmark

Userbeiträge
Konzert
Party
Kultur
Stadtleben



›› Event eintragen
Kinoplaner