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Schön und reich: Das Westend: Frankfurts noble Seite


Der Jet Set der Stadt trägt Nadelstreifen und lebt dort, wo die Lebensqualität hoch ist: im Westend. Wenn die Banken Dienstschluss haben, relaxen die Westendler im Park, shoppen im Viertel oder genießen exklusive Sterneküche.

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SCHÖN UND REICH: DAS WESTEND

Opulente Gründerzeitfassaden, breite Alleen, horrende Mieten, Gourmetrestaurants, Bankentürme, grüne Oasen wie der Grüneburgpark oder der Palmengarten und Ruhe - vor allem Ruhe herrscht in Frankfurts nobelstem Stadtteil Westend. Im ganzen Westend? Nein, am Grüneburgweg vor einer kleinen Currywurstbude, über der der selbstbewusste Slogan "Best Worscht In Town" prangt, ist jeden Tag zur Mittagszeit die Hölle los. In der Endlosschlange stehen Banker, Bauarbeiter und Schüler, die genau zwei Dinge wollen: Currywurst mit extra scharfer Soße und Entertainment von Lars Obendorfer. Obendorfer, früher Animateur, hat vor vierzehn Jahren den Familienbetrieb übernommen, den vor ihm schon seine Großeltern und Eltern führten. Er ist wahrscheinlich der einzige Wurstverkäufer in Deutschland, der einen eigenen Fanclub hat und regelmäßig im Fernsehen zu sehen ist. Seine Erfolgsgeheimnisse: der persönliche Draht zu seinen Kunden, beste Qualität und 149 Curryvariationen von Schärfegrad A (normal scharf) bis F (so scharf, dass man in Ohnmacht fällt). Obendorfer liebt das Westend, er hat selbst lange hier gelebt: "Obwohl es mitten in der City liegt, ist das Viertel ein Dorf. Jeder kennt jeden. Alle sind freundlich. Keine Spur von der Anonymität der Großstadt." Am kuscheligen Mikrokosmos-Charakter des Stadtteils haben auch die vielen Studenten nichts geändert, die seit dem Umzug der Universität ins imposante IG-Farben-Haus den neuen Campus bevölkern. "Den Studenten ist das Westend einfach zu teuer. Sie haben eine gute Mensa und schöne Cafés direkt auf dem Campus, also bleiben sie dort oder steigen direkt nach dem Seminar in den Bus ", sagt Erika Tapp, die vor fast dreißig Jahren mit anderen Autoren die Autorenbuchhandlung gründete - ein Buchladen mit hervorragendem Sortiment. Tapp kennt das Westend noch aus Zeiten des Häuserkampfes, als Studenten die Jugendstilvillen besetzten, um gegen deren Abriss zu demonstrieren. Anfang der siebziger Jahre war das. Seitdem hat sich viel verändert. "In den großen Bürgerhäusern wohnen jetzt nicht mehr die Sponti-WGs, sondern die Reichen", erzählt Erika Tapp. Am Grüneburgweg und in den umliegenden Straßen finden diese zahlungskräftigen Westendler und die Geschäftsleute aus den vielen Banken und Kanzleien des Viertels jede Menge schicke Geschäfte, Restaurants und Boutiquen. Den eleganten Blumenladen Bleuel zum Beispiel, die Boutique Fifty-Eight's By Heidt oder Soups etc., die Suppenküche von Niko Stachos, in der alles, was auf den Tisch kommt, gesund, lecker und frisch ist. Fast alle leben von ihren treuen Stammkunden. "Es gibt aber nicht nur die alteingesessene Westend-Gemeinschaft. Das Publikum ist durch die vielen Banken und die hohen Mieten auch sehr international", sagt Andrea Schütz, die in ihrem Laden Tutto seit siebzehn Jahren Mode für trendverliebte Frauen verkauft. Ein paar Schritte von Tutto entfernt, steht ein charmanter Feinkostladen mit Tante-Emma-Laden- Flair: Bei Petersen Gutes Essen gibt es für Genießer feinen Käse, Wein, Backwaren und Schokolade aus Italien oder Frankreich. Genussmenschen sind auch in Erno's Bistro an der richtigen Adresse: Vergilbte Schwarzweißfotos mit Stadtansichten von Paris, rot-karierte Tischdecken - der Gastraum ist klein und gemütlich. "Luxus passiert hier nur auf dem Tisch", sagt Eric Huber, Sommelier und Inhaber des Spitzenlokals. Die klassische französische Küche seines elsässischen Kochs Valéry Mathis wurde mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Zu kulinarischen Highlights wie einer Challans Ente mit Pfeffermélange, Rotkraut und Kastanien kredenzt Huber seinen Gästen edle französische Tropfen aus dem Weinkeller, der als einer der besten der Stadt gilt.Mit dem Standort seines Restaurants ist er mehr als zufrieden: "Die gehobene Gastronomie muss in einem gehobenen Viertel sein. Die Leute fahren ungern weite Strecken mit dem Auto." Er selbst wohnt auch im Westend. "Ich mag die Ruhe und die internationale Atmosphäre. Ich würde jederzeit wieder hierher ziehen", sagt er.

Sylvia Meilin Weber


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