Das Ostend ist trendy, vielseitig und stets im Wandel. PRINZ.de sprach mit den Köpfen, die maßgeblich an der Veränderung der Hanauer Landstraße und des Ostends beteiligt waren - und sind...
EIN STADTTEIL MIT POTENTIAL: DAS OSTEND
Der Jeansanzug, in dem der Mann mit den langen Haaren zum Interview erscheint, wirkt vergleichsweise klassisch, gemessen an dem, was er sonst trägt: goldene, geblümte oder knallbunte Anzüge. Eine Art Uniform, die gut zum Job des innovativen Immobilien-Investors passt. Der Mann heißt Ardi Goldman und ist unter anderem Vater des Union-Geländes auf der Hanauer Landstraße, bestehend aus Clubs (King Kamehameha, Apartment), Restaurants (Das Leben ist schön, Halle der Helden), Geschäften (PurPur) und Büros. Zuletzt eröffnete er das Goldman 25hours Hotel. Das bunte Designhotel mit den, von Frankfurter Persönlichkeiten individuell eingerichteten Zimmern gehört zu den schönsten der Stadt, das hoteleigene Restaurant unter Chefkoch Thomas Haus kochte sich schnell an die kulinarische Spitze Frankfurts. Ein weiteres Hotel im Bahnhofsviertel folgt im August. Goldman erzählt von den Anfängen auf der Hanauer. "Es gab Baustellenpartys, das Omen hat in der Emda-Fabrik gefeiert,Hans Romanov eröffnete den Ostklub. Diese Leute entdeckten den Off-Status der Geheimstraße, erkannten ihr Potential, das großstädtische Flair. Künstler und Freidenker haben die Freiräume genutzt." Und heute? Was wird geschehen, wenn die Europäische Zentralbank Ende 2011 ihr neues Domizil in der ehemaligen Großmarkthalle bezogen hat? "Die Entwicklung der Hanauer ist abgeschlossen. Es wird sich nicht mehr viel ändern. Das Viertel wird nicht luxussaniert, nur weil die EZB kommt. Dafür ist das Ostend nicht schön genug. Die Ecken und Kanten, die Schönheit in der Hässlichkeit, die bewahren das Ostend vor dem Schicksal des Westends. Die EZB wird ohnehin hermetisch abgeschlossen sein, nicht wirklich am Gesamtleben teilnehmen." Außerdem habe sich die Szene in Frankfurt längst schon verändert "Frankfurt verliert Freiräume. Freiräume, die unter anderen Aspekten als den monetären genutzt werden.Die Stadt ist sehr klein. Die Nischen, die es gab, sind alle entwickelt. Immobilien sind ein Knappheitsgut. Anders als in Berlin. Frankfurt ist ein Feinkostladen, Berlin ein riesiger Supermarkt." Aus Berlin kommt gerade Hans Romanov. Der Veranstalter, der zur Zeit ein neues Projekt in Frankfurt plant, war einer der ersten, der auf der Hanauer Landstraße alternative Partylocations bespielte."Angefangen hat alles, als ich auf dem Weg zu Annette Glosers Galerie Fruchtig auf der Hanauer war." Dort entdeckte Romanov das Haus, das später dann den Ostclub beheimatete. Zuvor veranstaltete er Club-im- Club-Events im No Name, im Nouvelle und im Maxim, wo er später als Geschäftsführer tätig war. 1997 entdeckte und begründete er die Partylocation Honsellbrücke. Auch er bemerkt den Wandel in der Szene. "Heute machen junge Leute eher feste Läden." Wie beispielsweise Mengi Zeleke, der vor acht Jahren das Unity eröffnete. Der Club gehört auch heute noch zum angesagtesten, was Frankfurt nachts zu bieten hat. Sich für den Stadtteil Ostend entschieden zu haben, hat der Clubbetreiber nie bereut."Das Ostend gefällt mir sehr gut. Im Unity treffen sich Menschen aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet. Ein Treffpunkt für alle Music-Lover." Treffpunkt für Liebhaber regionaler Speisen ist die Frankfurter Küche. Direkt gegenüber dem zukünftigen EZB-Gelände liegt seit 2005 die Gaststätte von Uli Schlepper, der auch Geschäftsführer des seit 1999 bestehenden Clubs O25 in der Ostparkstraße ist. "Die Nähe zur kommenden EZB war in gewisser Weise schon das angedachte Ass im Ärmel." Anders als Goldman glaubt Schlepper an einen Wandel durch die EZB: "Es wird nach dem Umzug noch einige Jahre dauern, bis sich das Viertel gewandelt haben wird. Bestimmte Veränderungen aber können wir jetzt schon sehen: Wohnen am Main, Saatchi&Saatchi, Bankakademie, Musikhochschule. In der Bauphase steigern wir vermutlich erstmal den Bratwurstumsatz." Und was mag er am Ostend? "Das Verruchte und etwas Trashige. Ich hoffe, man wird einen Teil davon erhalten.Wobei mit dem Wegfall der Großmarkthalle schon viel verloren gegangen ist. Im Moment ist das hier so ein bisschen Niemandsland. Das große Warten auf das, was der neue "Riese" wirklich bringt." Was die Zukunft für Uli Schlepper bringen wird, das hat er im PRINZ-Interview angedeutet: "Wir planen, hier einen Pub zu eröffnen." Mehr wird vorerst aber noch nicht verraten.
Heike Klauer
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