Sven Väth trifft Tobias Rehberger
"Frankfurt ist ein Traum"
Sie sind kreativ, erfolgreich, vielbeschäftigt - und beide lieben gutes Essen. Der DJ Sven Väth und der Künstler Tobias Rehberger erklären uns, warum sie Frankfurts Fahne hochhalten, was sie aneinander schätzen und was echte Kunst ausmacht. Ein Mittagessen im Restaurant Lohninger.
In unserer Rubrik "Ein Mittagessen" treffen wir auf die spannenden Macher der Stadt. Für diese Ausgabe hat Sven Väth die Auswahl übernommen - und den Frankfurter Künstler Tobias Rehberger ins Restaurant Lohninger (der Sternekoch Mario Lohninger ist auch für die Restaurants im Cocoon Club verantwortlich) eingeladen. Aufgetischt wurden Eierschwammerlgulasch, Backhendl und Wiener Schnitzel. Am Anfang gab es Wasser, später Grünen Veltliner und Hefeweizen.
Herr Väth, Herr Rehberger, können Sie sich noch erinnern, wie Sie sich kennengelernt haben?
Sven Väth: Beim Ausgehen im Frankfurter Nachtleben haben sich unsere Wege zum ersten Mal gekreuzt.
Tobias Rehberger: Seit den letzten zwei, drei Jahren sind wir enger befreundet. Ich weiß noch, dass wir uns einmal darüber unterhalten haben, dass es schade ist, dass sich viele tolle Leute in Frankfurt entweder überhaupt nicht kennen oder wenig miteinander zu tun haben. Du hattest dann die Idee, bei dir zu Haus eine Art Salon zu veranstalten: ein paar Leute kreuz und quer durch die Disziplinen zum Abendessen und miteinander Reden einladen.
Väth: Das Problem dabei: Wir sind ständig unterwegs. Tobias hat seinen Kalender bis Ende des Jahres voll, mir geht es nicht anders. Dabei ist es wichtig, dass sich Frankfurter Künstler mehr austauschen. Alles rennt im Moment nach Berlin. Auch viele Freunde von mir haben sich verabschiedet. Deswegen ist es wichtig, dass die, die geblieben sind, sich vernetzen und die Frankfurter Fahne hochhalten. Wir sind ja nicht ohne Grund absolut pro Frankfurt.
Rehberger: Man muss aber auch sagen, dass wir in der glücklichen Lage sind, hier nicht weg zu müssen. Viele hoffen ja, dass es in Berlin endlich mit der eigenen Karriere vorwärts geht. Für uns war es nie wirklich wichtig, dorthin zu gehen, um irgendetwas aufzureißen.
Was hält Sie beide in Frankfurt? Was macht es aus, hier zu leben?
Väth: Frankfurt war für mich immer ein Traum. Ich bin in Obertshausen aufgewachsen und habe dort gelebt, bis ich 14 war. Danach kamen zwei Jahre in Wiesbaden. Und dann Frankfurt. Ich wollte immer nach Frankfurt: Das war für mich der Flughafen, die Skyline, das Großstädtische. Und die Musikszene: das Dorian Gray, das Cooky's und viele andere Läden. Da ging damals richtig viel ab. Die Szene war durch die Amis geprägt, die ihre Base hier hatten. In den Plattenläden hast du all die Import-Maxis bekommen, die nachts im Funkadelic oder im Gray gelaufen sind. Das hat mich unwahrscheinlich beeinflusst.
Rehberger: Ich lebe seit 1987 hier. Zwischendurch gab es immer wieder kurze Ausbruchsversuche. Ich hatte zehn Jahre lang eine Zweitwohnung in Berlin und habe auch mal ein Jahr in London gelebt - aber am Ende bin ich immer wieder zurückgekommen. Ich mag in Frankfurt einfach diese Mischung aus kleinem Dorf und Metropole.
Väth: Kleinmetropole, das trifft es.
Rehberger: Genau. In London brauche ich einen Dreivierteltag, um einen Bleistift zu kriegen. In Frankfurt finden es die Leute schon anstrengend, von der Innenstadt aus noch in den Cocoon Club oder ins Robert Johnson nach Offenbach zu fahren. Ich denke, dass zwei Sachen anders sein müssen in Frankfurt. Nummer eins: Alle Gemeinden im Umkreis von 30 Kilometern werden eingemeindet. Dann gibt es diese psychologische Grenze nicht mehr, den Leuten kommen die Wege nicht mehr so weit vor. Deswegen mein Vorschlag: von Friedberg bis Darmstadt, von Wiesbaden bis Offenbach - alles eingemeinden, was nicht bei drei auf dem Baum ist.
Väth: Sehr gut!
Rehberger: Und dann würde ich die ganzen Felder, die dazwischen noch leer stehen, einfach zubauen. Und die Höhe der Gebäude verdoppeln. Dann kriegst du eine schöne, dichte Masse.
Väth: Was mich an Frankfurt fasziniert: Hier hat mich niemand daran gehindert, das zu machen, was ich will. Und zwar: mich richtig austoben, das Nachtleben gestalten, einen eigenen Club aufmachen. Mit 24 habe ich das Omen eröffnet - und schon damals war Frankfurt wirklich gut zu mir.
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In der Mitte der Museumsmeile hat Mario Lohninger sein drittes Restaurant eröffnet. Hier kocht der Österreicher etwas bodenständiger. ...mehr
Gemeinsam mit seinen Eltern arbeitet Lohninger in der Küche der beiden Restaurants in Sven Väths Cocoon Club. ...mehr









